Am Samstag lud die neue Reihe „Theatermenschen im Gespräch“ zahlreiche Zuschauer ins Theaterfoyer ein, um über die künstlerischen und wissenschaftlichen Hintergründe der aktuellen Theaterarbeit „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ zu diskutieren. Dabei traf das Theaterteam den Mineralogen Dr. Robert J. Gordon Sobott.
Derzeit probt am Theater Naumburg das Team um Regisseur Christian Georg Fuchs an einem besonderen Projekt, der Bühnen-Umsetzung des weltbekannten Wissenschafts-Thrillers „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ in der Fassung von Armin Petras und Juliane Koepp. Rechtzeitig zur Einführungsveranstaltung „Theatermenschen im Gespräch“ hatte der Wettergott ein Einsehen und schaffte durch kräftigen Schneefall eine stimmungsvolle Kulisse für die Einstimmung auf die neue künstlerische Arbeit der Bühne. Regisseur Christian Fuchs und Medienkünstler Felix Obée stellten dar, wie ein umfangreicher Bestseller mit nur drei Spielern in einer Mischung aus Schauspiel, Lesung, Film, Installation und modernen technischen Mitteln umgesetzt werden kann. Dabei wurde besonders deutlich, dass Figurenspieler kongeniale Spielpartner im Umgang mit interaktiven Medien und Live-Video sind.Eng verwoben mit der Thriller-Struktur des Romans ist die Problematik des Einbrechens europäischer Zivilisation auf Grönland und die Zerstörung des arktischen Lebensraums. Die wissenschaftlichen Hintergründe u.a. des Abschmelzens der Gletscher, der Arbeit der geheimnisvollen Kryolithgesellschaft
und des Einfalls von Meteoriten auf der größten Insel der Erde erläuterte der Diplom-Mineraloge Dr. Robert J. Gordon Sobott. Er verdeutlichte die Zusammenhänge zwischen den naturwissenschaftlichen Hintergründen des Romans und einer auf Spannung setzenden fiktionalen Ebene. Im Anschluss wurde dem interessierten Zuschauerkreis ein exklusiver Blick auf die Bühne und die technischen Details der szenischen Umsetzung geboten.
Zum Inhalt des Stückes
Der siebenjährige Inuit-Junge Jessaja liegt tot im Schnee. Er ist vom Dach eines Hauses im Kopenhagener Hafenviertel gefallen. Die arbeitslose Naturwissenschaftlerin Smilla, selbst Tochter einer Inuit und eines dänischen Arztes, glaubt nicht an einen Unfall, denn die Spuren im Schnee sind verräterisch. Bei ihren Nachforschungen enthüllt Smilla nach und nach die kriminellen Machenschaften einer Gesellschaft, die in Grönland geologische Expeditionen unternommen hat. Eine Kassette offenbart Geheimnisse, ein Röntgen-Bild enthüllt die Wahrheit, ein Mechaniker wird zur Schlüssel-Figur. In Smilla selbst tut sich die Kluft zwischen ihrer arktischen Herkunft und ihrem Leben als Europäerin auf. Sie ist tief verwurzelt in der Welt des ewigen Eises und den Mythen der Inuit. Sie gilt als politisch unbequem, kämpft gegen die Profitinteressen der Dänen beim Ausbeuten der Ölvorkommen im Polarmeer. Sie stellt ein nationales Sicherheitsproblem dar und gerät selbst in Gefahr.
Ein raffiniert aufgebauter, spannender Wissenschaftsthriller und gleichsam ein Blick auf eine entfernte, poetische, fremde Welt.
Regie: Christian Georg Fuchs
Videoinstallation: Felix Obée, Mila van Daag
Ausstattung: Mila van Daag, Felix Obée
Mit: Kathrin Blüchert, Daniela Gießler, Tobias Weishaupt








