Stefan Neugebauer - Intendant

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BALKON

Drei Fragen an Stefan Neugebauer

1 "Was ist Wahrheit?" lautet das Motto der Spielzeit 2016/17. Wie lautet Ihre spontane Antwort darauf? Was verbinden Sie mit Wahrheit und Theater?

"Ein weites Feld" würde Fontane sagen, womit er leider Recht hat. Spontan denkt man, die Antwort sei ganz einfach, aber wenn man anfängt darüber nachzudenken, wird es verdammt schwierig, denn auch wenn man meint, die Wahrheit zu wissen, scheint sie oft fehl am Platz oder birgt Gefahren, weil die Wahrheit niemand wirklich verträgt - also muss man sie manchmal diplomatisch verpacken, ohne sie jedoch zu verraten. Auf der Bühne ist das anders, da gibt es eine Art Dialektik zwischen Wahrheit und Lüge, denn wenn der Schauspieler sich auf die gespielte Situation zu 100 % einlässt, ist er wahrhaftig - also sagt ein Schauspieler eigentlich immer die Wahrheit, es sei denn, er tut nur so: in diesem Fall wird das Spiel uninteressant und langweilig, die Lüge - also das bloße ALS OB - ist der Tod des Theaters.

2 Auf welches Stück freuen Sie sich besonders in der neuen Spielzeit und warum?

Auf Kleists ZERBROCHNEN KRUG, das ist eine große Herausforderung, ein unglaublich komplexes Stück, eigenwillig und geradezu grotesk, was sich Kleist da ausgedacht und in ein Lustspiel verpackt hat.

3 Sie sind mit Antritt Ihres Engagements im Sommer 2015 nach Naumburg gekommen. Wie finden Sie die Stadt? Haben Sie schon Lieblingsorte?

Die Stadt ist wie geschaffen für mich: der Dom vor der Nase, die Saale in Fußnähe, die Weinberge nebenan, was will man mehr. Meine Lieblingsorte sind das Theater, das Theater und das Theater. Dazu muss man wissen, dass wir Theater an vielen Orten machen, und Theaterorte sind mir grundsätzlich sympathisch, aber abgesehen davon, ist ein anderer Lieblingsort unser Balkon, von dem ich Tag und Nacht auf den Dom blicken darf, wenn ich nicht gerade im Theater bin.

Selbstporträt 2015/16:

Geboren zwei Jahre nach dem Mauerbau, wollte ich schon mit vierzehn die DDR verlassen, wusste aber nicht wie. Nach einer Tischlerausbildung ging ich zur Evangelischen Kirche, lernte Latein und Griechisch, um Pastor zu werden und war froh, dass ich einen Weg gefunden hatte, mich der DDR zumindest teilweise zu entziehen. Im Januar 1988 gelang mir schließlich die Ausreise in den Westen. Statt Theologie studierte ich jedoch Theaterwissenschaften, Germanistik und Romanistik an der FU in Berlin und der Sorbonne in Paris. Dank eines Theaterworkshops in den viel zu langen Semesterferien entdeckte ich meine Leidenschaft für das Theater. Nach dem Studium wurde ich am Staatstheater Nürnberg Dramaturg, wechselte aber schon nach einem Jahr ins Regiefach. Seitdem bin ich diesem aufregenden und abenteuerlichen Beruf, der mich in viele verschiedene Städte und Länder führte, treu geblieben. Ich gründete in Berlin mein eigenes Theater, leitete in Thüringen ein Theaterfestival, durfte in Albanien ausgefallene Theaterprojekte umsetzen und freue mich nun auf das Theater und die Stadt Naumburg.

LINK: Naumburger Tageblatt - Mittwochsgespräch im OLG
LINK: Theater der Zeit - Neustart in Naumburg
LINK: Naumburger Tageblatt - Eine Bilanz
LINK: Interview MZ zur zweiten Spielzeit

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